Erlebnisbericht der Voba-Kräuterwanderung

Ein ganz besonderer Spaziergang mit Kräuterwander-Leiterin Tanja Keßler vom Glücksgarten Otzberg

30. Mai 2015

Immer den Otzberg in Sichtweite wurden wir, wie in der Natur so üblich, von wild wachsenden Pflanzen begleitet. Viele, uns eigentlich als Unkraut bekannte Pflanzen, sind Heilpflanzen oder essbare Wildpflanzen. Das Wissen über ihre Heilkräfte ist leider vielfach verloren gegangen. Bei der Kräuterwanderung jedoch hat Tanja Keßler uns dem Ganzen wieder auf die Spur gebracht.

Neun Kräuter wurden uns näher vorgestellt. Tanja erzählte Geschichten über die Pflanzen, Wissenswertes über ihre Heilkräfte und Tipps für die feine Kräuterküche. Bei der Ernte den richtigen Transportbehälter wählen. Am besten geeignet sind Körbe, Stofftaschen oder Papiertüten. Alles aus Plastik vermeiden, sonst werden die Inhaltstoffe sozusagen herausgeschwitzt. 

Wussten Sie zum Beispiel, dass die Brennessel Zauberkräfte hat: Isst man am Johannistag (24.6.) einen Brennesselpfannkuchen, ist man vor Nixen- und Elfenzauber geschützt.

Oder, dass das Gänsefingerkraut bei Wunden vorbeugend gegen Blutvergiftung wirkt? Es ist übrigens auch ein Tanzplatz der Feen und Sinnbild für die schützende Mutter Maria (richtet bei Regen oder starker Hitze die Blätter auf und bildet ein schützendes Dach über die empfindlichen Blüten).

Und wenn man sich einen Kranz Gundermann in der Walpurgisnacht aufsetzt, kann man Hexen erkennen und benennen. Wo viel Gundermann wächst, gibt es viele Heinzelmännchen und Zwerge.

Und den schwarzen Holunder sollte man nicht mit dem Zwergholunder, der giftig ist, verwechseln. Der Zwergholunder hat eine Staude, deren Stängel nicht verholzt sind. Nur von Holundersträuchern ernten, die verholzte Stämme haben.

Den Spitzwegerich haben wir gleich getestet, er hilft sofort gegen Juckreiz bei Insektenstichen.

Auch die Schafgarbe ist sehr wirkungsvoll. Wird auch Soldatenkraut genannt, da sie stark blutstillend und wundheilend wirkt. Soldatenkraut deshalb, weil im Krieg tonnenweise das Kraut gesammelt und in die Lazarette geschafft wurde, um dort die verwundeten Soldaten zu versorgen.

Meerrettich wächst übrigens überall am Wegesrand und ist viel aromatischer als gekaufter.

Der Beifuß ist nicht nur ein Frauenheilkraut, es wirkt auch sehr gut gegen müde Füße als Fußwohl-Kraut. Blätter einfach in die Schuhe legen, Fußbad oder Beifußöl verwenden.

Und dann noch das Gänseblümchen. Es wirkt entspannend bei Bluthochdruck und ist reich an Kalium, Kalzium, Magnsium, Eisen, Vitamin A und C.

Wildkräuter sollte man wenn möglich nicht an belasteten Stellen wie Ränder stark befahrener Straßen, beweidete Wiesen und landwirtschaftlich genutzte Wiesen sammeln. Die Wiesen haben sattes Grün mit viel Löwenzahn, Gänseblümchen und Butterblumen und relativ geringer Artenvielfalt. Das ist oft ein Hinweis auf den Einsatz von Dünger und Pestiziden. Deshalb sollte man Ausschau halten nach unbelasteten Waldrändern, Brachland, steile Böschungen, Gewässerrand oder Felder von Bio-Bauern.

Und ein Verbot zum Sammeln gibt es auch. Nicht in Naturschutzgebieten sammeln und Pflanzen, die unter Naturschutz stehen, einfach stehen lassen.

In der Halbzeit der Wanderung gab es ein super leckeres Picknick mit lauter selbstgemachten Köstlichkeiten. Leckeres Dinkelvollkornbrot, Blütenbutter mit Gänseblümchen, Löwenzahn, Wiesensalbei und Gundermann, Lavendelquark,  in Honig eingelegte Walnüsse, Walnuss-Pesto, Holunderblütengelee und getrocknete Zwetschgen. Für den Durst gab es zum Mischen Holundersirup und danach noch Löwenzahn-Blüten-Likör.  

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