Vertreterversammlung erteilt einstimmiges Votum für Zusammenarbeit

Volksbank Odenwald eG und Raiffeisen-Volksbank Miltenberg eG erhalten ihre Selbstständigkeit mit Zwei-Marken-Modell

Michelstadt, 12.5.2016

Die Volksbank Odenwald eG mit Sitz in Michelstadt und die Raiffeisen-Volksbank Miltenberg eG haben ihre Zusammenlegung beschlossen. Nachdem bereits vor einer Woche die Vertreter der Miltenberger Genossenschaftsbank mit großer Mehrheit für die Fusion gestimmt haben, haben die Delegierten auf Odenwälder Seite am Dienstag nachgezogen.

Am Ende der fast dreistündigen Sitzung bedankte Aufsichtsratsvorsitzender Michael Ludigs sich bei den Vertretern der Mitglieder für das große Vertrauen in den eingeschlagenen Weg. Die Vertreterversammlung fand in der Hauptgeschäftsstelle in Michelstadt statt. Der eingeschlagene Weg wurde von den Delegierten ohne Gegenstimmen befürwortet.

Volksbank Odenwald eG und Raiffeisen-Volksbank Miltenberg eG erhalten ihre Selbstständigkeit mit Zwei-Marken-Modell
Bild: Volksbank Odenwald

Die Volksbank Odenwald wird zukünftig rechtlich eine Niederlassung der Vereinigte Volksbank Raiffeisenbank eG sein. Der Markenname Volksbank Odenwald bleibe im angestammten Geschäftsgebiet erhalten. Dasselbe gilt für die Miltenberger Seite, die in ihrem Geschäftsgebiet als "Raiffeisen-Volksbank Miltenberg, Niederlassung der "Vereinigte Volksbank Raiffeisenbank eG" weiter tätig sein wird, unterstrich Magerkurth. Anschließend stellte er die entscheidenden Vorteile heraus: Die Ressourcen werden gebündelt und dadurch entstehende Potenziale ausgeschöpft.

Für die Kunden ändert sich jedoch nichts. „Der Vorstand bleibt vor Ort in der Region, ebenso wie die jeweiligen Kundenberater“. Damit wird die Tradition der Volksbank Odenwald auch im 153. Jahr ihres Bestehens und darüber hinaus hochgehalten. Werte wie Solidarität und Respekt werden neben regionaler Verwurzelung weiterhin eine große Rolle spielen. Beiden Parteien war es sehr wichtig, eine Lösung zu erarbeiten, die besonders für ländlich geprägte Banken geeignet ist, um deren Identität und regionale Verwurzelung weiter zu stärken. "Wir bleiben wie wir sind, wir bleiben wo wir sind", überschrieb Magerkurth seine Skizzierung der künftigen Marktpräsenz: "In dem wir den Weg gemeinsam gehen wollen und gleichzeitig unsere jeweilige Regionalität erhalten, wird durch die Bündelung der Kräfte im Verwaltungsbereich zugleich das genossenschaftliche Modell mit seiner klar regional ausgerichteten Strategie gestärkt." Mit der Lösung werden sowohl die Arbeitsplätze als auch die Kaufkraft in der Region erhalten und gestärkt. Dasselbe gilt für das Steueraufkommen und für die Auftragsvergabe an die regionale Wirtschaft und das Handwerk. 

In seinem Grußwort sprach Vorstand Dr. Hans-Martin Blättner aus Miltenberg von "einem freundschaftlichen Verhältnis", das im Laufe der seit etwa einem Jahr laufenden Verhandlungsgespräche entstanden sei. Angesichts immer schwieriger werdender Rahmenbedingungen - ausgelöst insbesondere durch das Dauerzinstief - gelte es, "solide Zukunftsperspektiven aufzubauen, die jeder alleine so auf Dauer nicht mehr schafft". Auch Magerkurth mahnte in seiner wirtschaftlichen Gesamtbetrachtung an, dass selbst mit Bundesanleihen kein Geld mehr zu verdienen sei. Neben der Zinsschwäche mache den Banken momentan zusätzlich hohe Kosten für die Digitalisierung und eine fortschreitende Bürokratie zu schaffen. Um wieder wettbewerbsfähiger zu werden, liefen allerorts Gespräche über Fusionen, so Magerkurth.

Für eine bundesweite Beachtung spricht auch der regionale Zuschnitt der neuen Bank, der über zwei Ländergrenzen hinweg besteht. Das Gebiet reicht vom hessischen Odenwald bis nach Freudenberg in Baden-Württemberg, das schon länger vom bayerischen Landkreis Miltenberg aus mit bedient wird. Den getroffenen Beschlüssen nach soll die Fusion rückwirkend zum 1. Januar 2016 in das Genossenschaftsregister eingetragen werden. Somit können beide Institute die Zukunft aus einer wirtschaftliche gesunden Position heraus gestalten. Die Vereinigte Volksbank Raiffeisenbank wird dann über eine Bilanzsumme von 2,6 Mrd. Euro verfügen.

Ohne Gegenstimmen wurden auch der vorliegende Jahresbericht 2015 entgegengenommen, der vorgesehenen Gewinnverwendung zugestimmt sowie Vorstand und Aufsichtsrat entlastet. Mitglieder können erneut mit einer Dividende von 5,8 Prozent rechnen. Das weitere Zahlenwerk wurde von Vorstand Stefan Balles vorgestellt. Als erfreulich bezeichnet werden darf das Betriebsergebnis von 1,19 Prozent. Damit liegt die Volksbank Odenwald deutlich über dem Verbandsdurchschnitt von 1,04 Prozent. Die Bilanzsumme stieg um 81 Millionen auf 1,793 Milliarden, die Kundeneinlagen um 77 Millionen auf 1,469 Milliarden Euro. Auch das Kreditgeschäft erfuhr einen Zuwachs von 48 Millionen auf 1,352 Milliarden Euro. Das entspricht einer Steigerung um 3,7 Prozent. Einen Rekord gibt es bei der Mitgliederentwicklung zu vermelden. Zum 31. Dezember 2015 waren 45.202 Menschen Teil der Volksbank Odenwald – 1.657 mehr als im Vorjahr. Dies ist der höchste Mitgliederzuwachs, den die Volksbank Odenwald je verzeichnen konnte. "Das spricht für ein hohes Maß an Zufriedenheit unter den Kunden, was die Beratung und Betreuung seitens der Finanzexperten angeht", so Balles. 

Bestätigung erfuhr auch der 12-köpfige Aufsichtsrat, in dem turnusmäßig vier Mitglieder ausschieden. Dies waren Judith Lannert, Reichelsheim, Wolfgang Hartmann, Beerfelden, Michael Ludigs, Reinheim und Falk Rödelsperger aus Groß-Umstadt. Sie stellten sich zur Wiederwahl und erhielten einen eindeutigen Vertrauensbeweis. Bei einer Enthaltung stimmten die Delegierten auch für die Aufnahme von sechs weiteren Mitgliedern aus dem Bereich der Raiffeisen-Volksbank Miltenberg eG in den Aufsichtsrat der künftigen "Vereinigte Volksbank Raiffeisenbank eG.", der somit auf 18 Personen angehoben wurde. Dies sind Joachim Bieber, Miltenberg, Kurt Grimm, Kirchzell, Wolfgang Hanel, Klingenberg, Franz Ottmar Klappenberger, Dorfprozelten,  Theo Pfeifer, Großheubach und Hermann Spinnler aus Sulzbach.